2. Letzten Oktober 2006
Juni 23, 2007
war es eigentlich nur ein Spass bei der Greencard Lotterie mitzumachen. Von meiner Seite aus aber schon mit einiger Hoffnung auf ein Quentchen Glück dabei. Schließlich habe ich jahrelang im Ausland gelebt und gearbeitet. Und dieses Leben an Plätzen in der Karibik, wo Andere nur Ihren Urlaub verbringen, kommt einen nach einer Weile so normal vor, dass man den Strand nur noch einmal im Jahr sieht und Regen oder Schnee eine Wunschvorstellung bleibt. Vor allem wenn man nicht wie die Touristen im klimatisierten Hotelzimmer schläft, sondern mit regelmässigen Stromausfällen und einem toten Deckenventilator schwitzend bei 40 Grad Celsius Raumtemperatur aufwärts versucht die Nacht zu überstehen. Das waren die Momente, wo ich mich zurück nach Deutschland gewünscht habe. Inzwischen ist diese Erinnerung dem deutschen Alltag eines 20000 Seelen Kaffs in Oberbayern gewichen, wo Kinder kriegen neben Dorfdisco und Wochenend-Saufen anscheinend Volkssport Nummer 1 ist. Da ich aber weder Bier trinke, noch die Absicht habe dem deutschen Staat sein Kindergeld im grossen Stil abzujagen um mir die Steuern leisten zu können, und gute Cocktails zu einem vernünftigen Preis hier nicht zu bekommen sind, bleibt mir nur ein Ausweg. Und zwar jetzt pünktlich zur Midlife-Crisis mit 40 durchstarten und in einem halbwegs zivilisierten Land mit südamerikanischen Einfluss und harter Währung, mit Perspektive auf einen vernünftigen Job ein neues Leben zu beginnen. Richtig erkannt!! Die Rede ist natürlich von der Bananen-Republik und Sunshine-State Florida (guter cubanischer Caffe inklusive).
Leicht wird es nicht, aber das hatte ich schon mal. Nur jetzt wird es halt entgültiger. Man kann nicht mehr einfach zurück gehen wenn es nicht so gut läuft. Denn die Chancen mit über 40 in Deutschland dann wieder einen guten Job zu finden tendieren mit hoher Wahrscheinlichkeit so gegen 0. Aber ich denke mit mehreren Sprachen, Auslandserfahrung in der Touristik (+Reiseverkehrskaufmann IHK – ich weiß der zählt in den Staaten Nichts, aber gelernt ist gelernt, und Buchungssysteme sind international) und guten Computerkenntnissen + Web-Design bin ich flexibel genug um in einer Touristenstarken Region wie Florida auf die eine oder andere Art Fuss zu fassen. Aber Zweifel bleiben halt dann doch immer (man wird ja nicht jünger), und man rätselt rum wie? wo? als was? wann?. Ihr kennt das sicher. Kann mir nicht vorstellen, dass jeder Auswanderer immer schon einen Job in der Tasche hatte bevor er rübergeflogen ist.
An dieser Stelle muss ich noch meinem Schatz und Herzblatt Anja danken. Hätte Sie nicht die ganze Zeit so intensiv dagegen gewettert, ich zitiere „Du gewinnst sowieso nie und nimmer“ und wenn, „ich bleibe hier, du kannst ja alleine fliegen“ usw.; ja ohne diese von Herzen kommende Motivation hätte es wahrscheinlich nie geklappt. Nochmal vielen, vielen lieben Dank mein Schatz!! Aber ihr hättet Sie mal hören sollen als Sie die Gewinnmitteilung auf dem Handy bekam. Alles nur Show. Eigentlich war es ja mein Handy, aber Sie hatte es an diesem Tag, den 03 Mai 2007 wieder mal eingesteckt und wusste so als Erste Bescheid. Ich glaube den Schrei hat man 10 km weit gehört. Daraufhin gab es erst mal einen guten Cuba Libre am Abend um das Ereignis gebührend zu feiern.

Erst in den folgenden Tagen wurde uns die Tragweite des Ganzen wirklich bewusst, und wieviele Hürden und Bürokratie noch vor uns liegen bis der Traum auf ein neues Leben in den Staaten real würde. Aber jetzt ist der Entschluss gefasst, ohne falsche Illusionen. Es ist nicht immer alles besser in den USA, ja manches ist sogar um einiges umständlicher, altmodischer und schlechter als bei uns in D (Schecks, Papierkram, Handy, Internet, Credit history, Sozial- und Krankenversicherung usw.). Das muss man auch mal ganz kritisch betrachten, um später dann nicht aus allen Wolken zu fallen. Ich denke da nur an diverse Auswanderer im Fernsehen. „Oh ich muss die Sprache sprechen?! oder es gibt hier Armut und Arbeitslose?!“ Ganz schön naiv so mancher Pseudo-Auswanderer. Aber der Unterschied liegt einfach im Land selbst. Es ist anders! Mit allen Vor- und Nachteilen eines anderen Landes mit einer anderen Mentalität und anderen Spielregeln. Aber damit hatte ich noch nie Probleme. (Vergleicht mal Spanien mit D, das ist Paperkram und Chaos pur!) Und genau das, die Chance auf ein neues Leben mit mehr Freiraum und eine Perspektive mit über 40 noch einen vernünftigen Job zu haben ohne bald aus Altergründen wegrationalisiert zu werden, ist unsere Motivation diesen Plan (Idee war einmal) mit allen Mitteln umzusetzten.
Tja, was dann folgte war eine Woche mit vielen Fragen und Stunden am PC. Die Formulare absolut korrekt (sind die wirklich sooo pingelig?) auszufüllen ist auch ein Thema für sich. Nach einer Woche und mehrmaligen Überprüfens gingen die Formulare dann per Einschreiben Richtung Kentucky zurück. Jetzt heißt es abwarten und auf einen baldigen Interview-Termin in Frankfurt zu hoffen. Bei unserer Case-Number 12*** schätze ich mal so Ende Februar 2008. Ich glaube, dass wird das Härteste. Diese ewige Warterei ohne wirklich etwas machen zu können. So genug für heute, als nächstes stehen die Impfungen an. Autsch!.
Bis bald
Andy
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